Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Dienstag, 21. November 2017

Konzert aus der Konserve: Billy Corgan - Tiny desk concert

Billy Corgan aka William Patrick Corgan am Tiny desk mit Streichern und diesem Songs:
  • Tonight, tonight
  • Aeronaut
  • Mandarynne

Montag, 20. November 2017

Musik: Selig - Kashmir Karma
























Harmonisch und ereignisreich wie ein Tag in der schwedischen Wildnis. 

"Und endlich unendlich" interpretierte ich als Bekenntnis von fünf Musikern, nach einer Bandpause von neun Jahren nun "für immer" gemeinsam zu musizieren. Die erste Bandphase währte sechs Jahre und auch nach der Wiedervereinigung erwies sich dieses Gefüge über sechs Jahre als stabil. Doch 2014 verließ dann der Keyboarder Malte Neumann Selig. Das verbliebene Quartett macht sich an die Aufnahmen des siebten Albums. Dafür fand man sich über ein Jahr verteilt ca. 50 Tage in Schweden ein, um in Ruhe an den neuen Songs arbeiten zu können.

"Kashmir Karma" hätte Seligs Bandname werden können, so wurde es zumindest der Titel des siebten Albums der Band. Die Aufnahmen in der schwedischen "Wildnis" inspirierten Selig offensichtlich zu einer recht ausgeglichenen Grundstimmung. Die Hamburger wandelten schon häufig knapp diesseits der Schlager- und Deutschrock-Grenze, doch auf dem aktuellen Album wird diese mehrfach überschritten. Nun möchte ich die entsprechenden Fehltritte auf "Kashmir Karma" nicht überbewerten, aber darüber hinaus vermisse ich Seligs Alleinstellungsmerkmale. 

Plewkas Stimme ist prägnant wie immer, doch gerade bei den ruhigeren Titeln und einigen Textpassagen steht sie für vieles, was ich an Deutschrock verachte. Vielleicht hätte dieses Album mit noch mehr Erdigkeit und Zeitlosigkeit den Sprung in die "ist-halt-Blues-und-die-Herren-verkörpern-das-auch-glaubhaft"-Kategorie geschafft. So sehr ich mich über das Comeback 2009 freute, so sehr hat mich nun die Realität eingeholt. Die deutschsprachige Version des "Grunge" funktionierte über knapp zwei Alben Mitte der 90er Jahre aber heute nicht mehr. Selig hat m. E. seine Nische nach dem Comeback noch nicht gefunden.

"Unsterblich", "DJ" und "Lebenselexier" sind meine Favoriten auf "Kashmir Karma". 

Das Video zu "Nimm mich so wie du bist":


"DJ":


Die Band ist aktuell auf Tour:
  • 23.11. München
  • 24.11. Leipzig
  • 25.11. Magdeburg
  • 26.11. Berlin
  • 28.11. Hannover
  • 29.11. Bremen
  • 01.12. Freiburg
  • 02.12. Kaiserslautern
  • 03.12. Münster
"Kashmir Karma" ist:

Sonntag, 19. November 2017

Buch: Martin Becker - Marschmusik
























Melancholische Einblicke in das Leben im Ruhrgebiet für Menschen aus dem Ruhrgebiet. 

Seit ein paar Jahren führen mich meine Wege immer mal wieder durch das oder gar in das Ruhrgebiet. Ich meine so einen ersten Eindruck vom speziellen Charme der Region oder vielmehr der Menschen dort bekommen zu haben. Das machte mich neugierig und "Marschmusik" erschien mir als gute Quelle, mein Verständnis zu vertiefen.

Der Autor Martin Becker wuchs im Sauerland auf und lebt in Leipzig. Seit zehn Jahren veröffentlicht er Bücher, außerdem ist er als Journalist und Hörbuchautor tätig.

In "Marschmusik" schickt er den Protagonisten auf eine gleich vielfache Reise in den Ruhrpott. Mehrere Erzählstränge werden aufgebaut, um verschiedene Perspektiven zu bieten. Da ist der "geflohene" Sohn, der seine Mutter in seiner alten Heimat besucht und diesen (und vorherige) Besuche als beklemmend wahrnimmt. Durch Rückblicke begleitet man ihn beim Erwachsenwerden. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die angestrebte Karriere als Posaunist.

Außerdem wird geschildert, wie sich seine Eltern kennengelernt haben und wie sie zur Familie wurden. Darüber hinaus taucht stellenweise "Hartmann", ein Kumpes seines verstorbenen Vaters auf. Er provoziert und motiviert den Protagonisten zur Beschäftigung mit dessen Herkunft und Wurzeln. Zu dieser Aufarbeitung gehört auch ein Besuch in einem Stollen. 

Zweifellos erzeugt und transportiert Becker mit diesem Buch Stimmungen und Melancholie. Vermutlich funktioniert das Werk daher gut bei Menschen, die tatsächlich im Ruhrgebiet lebten und leben. Meine Erwartungen an das Buch wurden nur ansatzweise erfüllt. Entweder unterscheiden sich im Ruhrgebiet verbrachte Kindheit und Jugend nicht wesentlich von denen in anderen Teilen Deutschlands oder Beckers Schilderungen geben einfach nicht genug davon wieder. Die parallele Darstellung von Erzählsträngen kann Spannung erzeugen oder verschiedene Sichtweisen offenbaren. In "Marschmusik" leistet sie weder das eine noch das andere. 

Samstag, 18. November 2017

Musik: Angelika Express - Letzte Kraft voraus

























Karneval in Punk-Pop.

Angelika Express hatte ich vor Jahren während einer Crowdfunding-Kampagne zur Veröffentlichung von "Goldener Trash" unterstützt. Das erlaubte mir einige Einblicke in das Musikgeschäft. Auch die folgenden Veröffentlichung zeigten, dass Mastermind Robert Drakogiannakis mit viel Energie und Ideen um seine Nische in diesem Business kämpft und "Indie" lebt.  

Bei allen Experimenten blieben Pop, Punk und Indierock die Konstanten über die nunmehr 15 Jahre Bandgeschichte. Mit "Letzte Kraft voraus" erscheint nun das achte Album der Band. Aktuell besteht sie aus fünf Personen, für einige Titel konnten prominente Mitstreiter gewonnen werden: Love As Jörkk Mechenbier ist auf "Vinylbeton" zu hören, Klees Suzie Kerstgens ermöglicht das Duett "Am letzten Donnerstag im Mai" und Frank Spilker von Die Sterne unterstützt auf "Agenten".

Punkige Texte, poppige Melodien und Refrains und Indierock klingen auf "Letzte Kraft voraus" häufig irgendwie nach Karneval: Auch komplexe Sachverhalte werden auf den Punkt oder Refrain gebracht. So etwas gelingt glaubhaft wahrscheinlich nur einer Band aus Köln. 

"Vinylbeton", "Wir kommen wieder", "Comeback im Dreck" und "Mister Fantastik" sind meine Favoriten auf "Letzte Kraft voraus". 

Das Video zu "Vinylbeton":


"Letzte Kraft voraus":


Demnächst auch live:

  • 01.12. Köln
  • 15.12. Bielefeld
  • 06.01. Kaiserslautern
  • 12.01. Torgau
  • 13.01. München
  • 26.01. Ulm
  • 27.01. Rorschach, CH
  • 16.02. Husum
  • 17.02. Hamburg

"Letzte Kraft voraus" ist:

Freitag, 17. November 2017

Woher kommt das Zugessen?

Obwohl ich den Fernverkehr der DB regelmäßig nutze, verschmähe ich üblicherweise dass kulinarische Angebot an Bord. Da ließ ich mich gerne in die Zentrale des Fernverkehrs der DB einladen, um mal hinter die Kulissen zu blicken. 


Die Versuchsküche der DB hatte ich mir größer vorgestellt, aber letztendlich sind es wenige Mitarbeiter, die sich um die Planung und Entwicklung der Mahlzeiten kümmern.



Die DB setzt auf Standard-Mahlzeiten und saisonabhängige "Specials". Wir durften die Kohlrouladen probeessen, die im Februar auch in den Zügen verfügbar sein werden.

Darüber hinaus wurde das aktuelle Sortiment in Form eines "Flying Buffets" präsentiert.



Außerdem gab es viele Hintergrundinfos zu den komplexen Prozessen, die hinter der Versorgung der Passagiere stehen. Nach dieser Veranstaltung habe ich mehr Respekt vor dem kulinarischen Angebot in den Zügen der DB und vermutlich werde ich ab und zu tatsächlich den Weg ins Bordbistro wählen.  

Donnerstag, 16. November 2017

Musik: Fjørt - Couleur
























Selten klingt Wut so konstruktiv. 

Skandinavisch anmutender Band-Name, harte Gitarren und Post-Hardcore-Gesang? So etwas kann doch nur aus... Aachen kommen. Zumindest die deutschen Texte passen zur Herkunft des Trios. 2012 fanden Chris Hell, David Fings und Frank Schophaus als Fjørt zusammen. Bereits vor Veröffentlichung ihres Debüt-Album verdienten sich die Herren über viele Konzerte Live-Lorbeeren. Das zweite Album "Kontakt" erschien über Grand Hotel van Cleef 2016, nun folgt "Couleur". 

Mir fällt keine deutsche Band ein, die Post-Hardcore-Härte sowie -Intensität und (zugegebenermaßen subjektive) Hörbarkeit derart stimmig auf einen Nenner bringt. Selten wird Wut so gut konserviert und konstruktiv genutzt. Trotz aller Härte und Kante ist "Couleur" in seiner Kombination aus Post-Hardcore, Post-Rock und Alternative erstaunlich homogen geraten. Trotzdem ragen für mich die Songs "Südwärts", "Raison" und "Bastion" etwas heraus.  

Das Video zu "Magnifique":


Und das zum Titelsong:


Fjørt wird im Januar für schwitzige Atmosphäre in diesen Clubs sorgen:
  • 18.01. Münster, Gleis 22 
  • 19.01. Münster, Gleis 22 (ausverkauft)
  • 20.01. Hannover, Musikzentrum
  • 21.01. Berlin, Lido
  • 22.01. Dresden, Beatpol
  • 23.01. Leipzig, Werk 2
  • 24.01. Wien, Chelsea
  • 25.01. München, Strom
  • 26.01. Stuttgart, Universam
  • 27.01. Saabrücken, JUZ Försterstraße
  • 28.01. Wiesbaden, Schlachthof
  • 29.01. Köln, Gebäude 9
  • 30.01. Hamburg, Knust
  • 02.02. Köln, Family First Festival (ausverkauft)
"Couleur" ist:


Mittwoch, 15. November 2017

Dienstag, 14. November 2017

EP & Tour: Mighty Oaks


Wenn ich an das Konzert der Mighty Oaks im Ulmer Zelt denke, erinnere ich mich an eine tolle Stimmung und hohe Temperaturen. Trotz des nun wirklich herbstlichen Wetters bin ich mir sicher, dass die Mighty Oaks auch diesen Hallen einheizen werden:


  • 15.11. Berlin - Tempodrom
  • 16.11. Hamburg - Docks 
  • 21.11. Bielefeld - Ringlokschuppen
  • 23.11. Köln - Live Music Hall
  • 24.11. Ludwigshafen - BASF Feierabendhaus
  • 25.11. Saarbrücken - Garage
  • 05.12. Augsburg - Parktheater
  • 08.12. Stuttgart - Liederhalle Mozartsaal
  • 14.12. München - Muffathalle
  • 15.12. Nürnberg - Löwensaal
  • 16.12. Mainz - Frankfurter Hof
  • 17.12. Dresden - Alter Schlachthof 


  • Den Tourstart begleitet die Veröffentlichung der EP "Storm". Hier das Video zum Titelsong:

    Montag, 13. November 2017

    Musik: Sgrow - Circumstance
























    Experimentell, elektronisch und auch irgendwie poppig. 

    Im Bereich elektronischer Musik stehen bei mir skandinavische / nordeuropäische Künstler hoch im Kurs. Künstler aus dieser Region wie The Knife, Björk, Gus Gus und Röyksopp haben mir musikalische Horizonte eröffnet. Zumindest geographisch fällt das Electro-Duo Sgrow aus Norwegen in diese Kategorie. Diese besteht aus Vilde Nupen und Kristoffer Lislegaard. Deren Debüt "Terror and ecstacies" erschien vor zwei Jahren und danach verbrachten sie ein paar Monate in Toronto, um Musik zu produzieren. Als erste Veröffentlichung aus dieser Zeit erschien nun "Circumstance". 

    Die beiden Musiker nutzten die Vielfalt provisorischer Studios in Florenz, Toronto, Oslo und Drøbak, um Sounds und Atmosphären einzusammeln und zu samplen. Der Gesang wurde hingegen in einem Bootshaus im norwegischen Drøbak aufgenommen. Er stellt den organischen Gegenpol zu den vielschichtigen Samples und den dynamischen bis herausfordernden Beats zwischen Trip Hop, Dubstep und Dance dar. Die Kombination passt eher in den Club als ins Bootshaus.

    Exemplarisch demonstrieren "Feel something" und "Kismet" Sgrows musikalische Mission. Über die Spielzeit des Mini-Albums ist diese hörenswert. Die nächsten Veröffentlichungen sollten zusätzliche Facetten offenbaren. 

    Das Video zu "Kismet":


    Und das zu "Feel something":


    "Circumstance" klingt nach: