Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Sonntag, 30. April 2017

Musik: Feist - Pleasure

























Überraschend vergnüglich.

Verläuft alles nach Plan, werde ich im August endlich mal wieder PJ Harvey live sehen. Ich freue mich darauf obwohl ich davon ausgehe, dass mein Wunsch nach Darbietung der kräftigen Gitarrenausbrüche der älteren Alben weitgehend unerfüllt bleiben wird. Doch nun keimt unerwartet etwas Hoffnung auf: Für das gleiche Festival ist Leslie Feist angekündigt. Bislang stand sie für mich weitgehend für harmlose Indiepop-/Folk-Songs und eine iPod-Werbung. Ihr kommt nun die Aufgabe zu, meine Erwartungen an PJ Harvey zu erfüllen. 

Mit "Pleasure", "Any party", "Century" (toll mit Gastsänger Jarvis Cocker) und "I'm not running away" liefert Feist gleich vier Duelle mit trockenen bis bluesigen Gitarren, die mit etwas Live-Turbo durchaus einer PJ Harvey würdig sein könnten. Diese Titel stehen mit dem Blues-Rock-Touch für die offenkundigste Überraschung auf Feists fünftem Album "Pleasure". Sechs Jahre nach "Metals" liefert die Kanadierin ansonsten souverän Folk-, Indiepop- und Singer/Songwriter-Material, welches mir zumindest mit "Lost dreams" auch Lust auf einige entspannte Titel in hoffentlich launiger Festival-Atmosphäre machen. 

Das Video zu "Pleasure":


"Century":


Feist live:
  • 20.07. Mainz
  • 24.07. Berlin
  • 02.08. München
  • 05.08. Luhmühlen (Festival)
"Pleasure" klingt nach:

Samstag, 29. April 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: The Afghan Whigs - Oriole

Erste gestern konnte ich Greg Dulli im Zusammenhang mit Mark Lanegans neuem Album erwähnen. Deren neuen Album "In spades" wird nächste Woche erscheinen. Lust darauf macht schon jetzt das Video zu "Oriole":

Freitag, 28. April 2017

Musik: Mark Lanegan Band - Gargoyle

























Weniger düster als erhofft... aber trotzdem gut. 

Mit "Nocturne" hatte Mark Lanegan seinem aktuellen Album bereits vorab einen starken Titel vorweggeschickt. Dieser und der Album-Titel "Gargoyle" schürten meine Hoffnung auf ein tolles Album. Der Opener "Death's head tattoo"schlägt in die gleiche Kerbe und leitet dann zu "Nocturne" über. Anschließend erinnert "Blue blue sea" daran, dass Lanegan auch gerne mal mit Electro herumspielt, bevor "Beehive" zeigt, dass Alternative und Indierock gut miteinander harmonieren. Im weiteren Verlauf des Album beeindruckten mich noch "Emperor" und schließlich "Old swan". Insgesamt klingt "Gargoyle" so einen Tick weniger düster und tiefgründig als erhofft, dafür zeigt das Album die enorme Spannbreite, welche der Amerikaner trotz seiner eigentlich beschränkenden Stimme abdeckt. Das letzte Mark Lanegan-Album (inklusiver aller mir bekannten Kollaborationen), welches mich ähnlich begeisterte war "Blues funeral". "Gargoyle" wirkt mindestens einen Schritt ausgegorener. Mit über 50 Jahren ist der ehemalige Screaming Trees-Sänger noch immer experimentierfreudig aber auch gesetzt genug, sich für sein zehntes (Solo-)Album einfach mal seiner Stärken zu erfreuen. 

Lanegans Kumpels Josh Homme, Greg Dulli und Duke Garwood waren bei den Aufnahmen zu "Gargoyle" ebenso zur Stelle wie Alain Johannes, der bereits Teile von "Bubblegum" und "Blues funeral" produziert hatte.

Das Video zu "Beehive":


Kein Video, aber ein Auge zu meinem Favoriten "Nocturne":


Mark Lanegan live:

  • 25.06. Köln
  • 26.06. Hamburg
  • 27.06. Frankfurt
  • 28.06. Bochum
  • 04.07. Stuttgart
"Gargoyle" klingt nach:

Donnerstag, 27. April 2017

Musik: BNQT - Volume 1

























Sänger-Contest vor Midlake-Hintergrund. 

"Supergroup" - diese Bezeichnung soll allein schon durch die Kombination potentiell angesprochener Fan-Gruppen für Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen sorgen. Nun hatte ich gar nicht auf dem Schirm, dass es sich bei BNQT um eine solche Gruppe handelt. Im Gegenteil erwartete ich wegen des Namens und des Albumtitels beim unbedarften Anklicken eher eine blutarme Electro-Compilation. 

Schon der Opener lehrte mich, dass ich mit meiner Vermutung falsch lag. Der vierte Song klang dann nach Fran Healy von Travis und der nächste Titel nach Alex Kapranos von Franz Ferdinand. Da wurde ich dann aufmerksam und siehe da, BNQT vereint tatsächlich diese beiden Sänger mit Ben Bridwell (Band Of Horses), Jason Lytle (Grandaddy) und Eric Pulido von Midlake. Die Rest wird ebenfalls von Midlake gestellt. Eigentlich handelt es sich also um Midlake erweitert um vier Gastsänger, die friedlich das Mikro kreisen lassen. Das Projekt hat einen Namen, der noch sperriger klingt als "Supergroup". Ausgesprochen möchte er als "Banquet" werden. 

Mit "Mind of a man" (Healy), "Hey banana" (Kapranos) und "Fighting the world" (Kapranos) gelingen der Band drei richtig starke Titel. Kapranos steht damit als Gewinner des Sänger-Contests fest. Anscheinend passt er ideal zu Midlakes Melodieverliebtheit. Die Suche nach verführerischen Melodien scheint auch die Mission des Projekts zu sein. In den rockigen Abschnitten klingt "Volume 1" allerdings manchmal einen Tick zu sehr nach Supertramp in deren weniger inspirierten Phasen. Wegen der Abwechslung durch die Sängerschar ist das Album aber auf jeden Fall hörenswert. 

"Mind of a man":

"Hey banana":

"Volume 1" klingt nach:

Mittwoch, 26. April 2017

Musik: Maxïmo Park - Risk to exist

























Solide. 

Konstant zeigt sich Maxïmo Park in vielerlei Hinsicht: Alben erscheinen seit dem hochgelobten "A certain trigger" aus 2005 im Abstand von zwei bis drei Jahren und bis auf den Bassisten Archis Tiku sind noch alle Gründungsmitglieder an Bord. Schon seit einigen Jahren wurde er live von Paul Rafferty vertreten und nun übernahm dieser den Job komplett. 

Auch musikalisch bringt das sechste Album "Risk to exist" wenig Überraschungen. Paul Smith' Stimme ist prägend wie immer, die Gitarren sind zwar nicht mehr gar so knallig wie zu Beginn der Karriere, Pop und Melodien spielen dafür eine größere Rolle. Tolle Songs sind mit "Get high (No, I don't)", "What equals love?", "The hero", "The reason I am here" und "Alchemy" in stattlicher Anzahl enthalten. 

Zwei Änderungen hat die Band aber dennoch zu bieten: Die Texte sind politischer geworden und mit Mimi Parker von Low darf gleich auf fünf Songs eine Gastsängerin eine weiter Facette beisteuern. "Risk to exist" ist ein nostalgischer Trip in die Zeit der britischen Indierock-Bands aus der Zeit Mitte der "Nuller"-Jahre und als solcher alle zwei bis drei Jahre willkommen.  

Das Video zu "Get high (No, I don't)":


"Risk to exist":


Maxïmo Park live:
  • 24.06. Scheeßel (Hurricane Festival)
  • 25.06. Tuttlingen (Southside Festival)
  • 25.09. Köln
  • 28.09. München
  • 29.09. Berlin
  • 30.09. Wiesbaden
  • 01.10. Münster
"Risk to exist" ist:

Dienstag, 25. April 2017

Film: Arrival

























Spannung durch die Hintertür.

"Contact" meets "ID4" meets "Signs", ein wenig "Inception" ist auch dabei und die Szenen mit den Aliens könnten aus einem Tool-Video stammen. Toll. 

Zwölf UFOs erscheinen an verschiedenen Positionen der Erde und es gilt, mit den Aliens Kontakt aufzunehmen, um ihre Absichten zu ergründen. Mit Amy Adams ist die Rolle der Protagonistin hervorragend besetzt. Jeremy Renner ist für mich zu sehr Hawkeye, als dass ich ihm den Wissenschaftler abkaufen würde. Dafür glänzt Forest Whitaker als Vertreter des Militärs. 

Regisseur Denis Villeneuve ist mit "Arrival" ein Sci-Fi-Film gelungen, der selbst Genre-Skeptikern zugänglich sein könnte. Ohne großes Spektakel erzeugt der Film eine Spannung, die mich fast durchgängig fesselte. Jetzt freue ich mich auf den nächsten Villeneuve-Film, der noch dieses Jahr im Kino erscheinen wird: Bladerunner 2049. 

Montag, 24. April 2017

Konzert aus der Konserve: alt-J - Tiny desk concert

Konzerte an Bob Boilens Schreibtisch sind fast immer sehenswert. Und manchmal ein "Muss". So ein bei alt-J, die mit diesen Songs auftraten:
  • 3WW
  • In cold blood
  • Warm foothills
  • Taro
Dort und hier:

Sonntag, 23. April 2017

Buch: George Orwell - Nineteen eighty-four

























Beängstigend aktuell.

Zum Welttag des Buches stelle ich ein Buch vor, welches erstmals 1949 veröffentlicht wurde. Warum ich (erst) jetzt auf die Idee komme?

  • Irgendwie dachte ich, schon alles über das Buch bzw. dessen Inhalt zu wissen. "Big brother is watching you" ist seit meiner ersten "Whatsapp"-Nutzung meine Statusmeldung.
  • Die Ausgabe des Buchs habe ich 2003 in London gekauft. Seitdem schlummerte sie im "irgendwann mal lesen"-Stapel. Ich sage aus voller Überzeugung: "Danke, Donald." Erst Donald Trumps Regentschaft und der Verweis auf George Orwells Dystopie im Zusammenhang mit rapide gestiegenen Verkaufszahlen machte mich wieder so neugierig, dass es das Buch tatsächlich von besagtem Stapel auf meinen Nachttisch und in mein Reisegepäck schaffte. 
  • Zu Beginn des Romans wird der Alltag des Protagonisten Winston Smith geschildert. Er trägt seinen Teil dazu bei, dass geänderte Realitäten (z. B. andere Kriegsgegner, Verschwinden von Menschen) auch in nachvollziehbaren Quellen (vornehmlich Zeitungen) angepasst werden. Heute werden Meldungen nachträglich im Web geändert und Aussagen von Politikern später "umgedeutet". 
  • Ein gewichtige Rolle spielt das fiktive Buch "The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism". Zwei Kapitel werden in "1984" zitiert und sie schildern die Hintergründe des totalitären Staatsapparats und seiner Auswüchse. Auch hier ist jeder Leser eingeladen, Parallelen zur Realität zu suchen. 
  • Der letzte Teil von "1984" befasst sich mit Smith' Gefangenschaft und "Umerziehung". Über mehrere Stufen werden er und sein Geist gebrochen. Leider wirken auch diese Beschreibungen allzu glaubhaft. 
  • "Ingsoc", "newspeak", "doublethink", "crimestop" sind Begriffe, die zum Teil mit Trumps Methoden in Verbindung gebracht werden. Ich finde, man sollte die Quelle dazu kennen. 
Danke, Donald! Wenn jemals in Frage gestellt wird, ob Deine Amtszeit zu etwas Gutem geführt hat, verweise bitte gerne auf diesen Post. 

Samstag, 22. April 2017

Schlange vor der Herrentoilette?

Nein, es sieht nur so aus... Record Store Day. In der Schlange waren tatsächlich auch zwei Frauen. Die eine fragte "Wofür stehen wir hier noch mal an?"


Nicht ganz dem Sinn des RSD entsprechend, aber auf der anderen Straßenseite gab es auch ein Angebot.



Das Ergebnis:


Freitag, 21. April 2017

Vorhören: Colin Stetson - All this I do for glory

Das neue Album des Saxophon-Magiers wird nächste Woche erscheinen. Den Stream gibt es vorab dort und hier:

Donnerstag, 20. April 2017

Musik: The Big Moon - Love in the 4th dimension

























Ein Album wie ein Mojito. 

Musik statt Cocktails. Juliette Jackson war ihren Job in einer Londoner Bar satt und sah ihre Rettung in der Musik. Sie suchte sich drei gleichgesinnte Damen und damit startete das Experiment The Big Moon im Jahr 2014. Eine Blaupause für die Ausrichtung der Band hatte sie bereits in der Tasche: Es sollte klingen wir eine Garage Rock Band aber mit Melodien. The White Stripes, The Pixies, The Kinks sowie Elvis und Roy Orbison standen Modell. Über Singles, Auftritte als Support von u. a. The Maccabees, Foxygen und The Vaccines und die erste EP arbeiteten sich die vier Damen zu ihrem Debütalbum "Love in the 4th dimension" vor. Es wurde innerhalb von zwölf Tagen aufgenommen (auf viele der vorab veröffentlichten Singles wurde zurückgegriffen) und hat trotz der Melodien und des Indierock-Charakters genug Garagen-Flair behalten, um wie ein frisches Debüt zu klingen. 

"Sucker", "Bonfire" und "Silent movie Susie" sind für mich die Hits auf "Love in the 4th dimension". Zurück zur Cocktail-Analogie: Erfrischend wie Minze, grundsätzlich klar und die Gitarren knirschen wie der Zucker zwischen den Zähnen.... ein Mojito. 

Das Video zu "Cupid": 

"Sucker":


The Big Moon live:
  • 07.05. Hamburg
  • 08.05. Berlin
  • 10.05. Köln
"Love in the 4th dimension" ist:

Mittwoch, 19. April 2017

Musik: The New Pornographers - Whiteout conditions

























Indierock? Synth-Pop? Power!

Ich liebe die Wikipedia-Zeitleisten, welche die Zusammensetzungen von Bands veranschaulichen. Bei einem Kollektiv wie The New Pornographers ist eine solche besonders aussagekräftig. Zwischen dem letzten Album "Brill bruisers" und "Whiteout conditions" hat sich einiges getan. Nach 15 Jahren verließ Drummer Kurt Dahle die Band und mit Dan Bejar pausiert aktuell eines der Aushängeschilder der Kanadier. Da er sich um ein Album seiner Band Destroyer kümmert, fehlt er entschuldigt.

Kontinuität zeigen hingegen Neko Case und Carl Newman, die seit dem ersten Album im Jahr 2000 die Band prägen. Schon mit dem Vorgänger "Brill bruisers" zeichnete sich eine Entwicklung ab, die sich auf "Whiteout conditions" bestätigt: The New Pornographers klingen inzwischen mehr nach Band als nach einen Kollektiv. Mit vier potentiellen Gesangsstimmen ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für verführerische Harmonien und auf "Whiteout conditions" werden erfreulich viele davon zelebriert. Über diese Melodien und überwiegend flotte Titel entwickelt das Album eine Energie, die sich nur mit "Power Pop" beschreiben lässt. 

Das mir mit dem Titelsong, "High ticket attractions", "Darling shade", "Second sleep", "Juke" und "Clock wise" mehr als die Hälfte der Songs des Albums erwähnenswert erscheinen, sagt m. E. etwas über dessen Qualität aus. Verführerisch. 

Das Video zu "High ticket attractions":


Für den 11.05. hat die Band einen Auftritt in Berlin angekündigt.

"Whiteout conditions" ist:

Dienstag, 18. April 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Kasabian - You're in love with a psycho

Mir gefällt Kasabians neuer Song. Nun freue ich mich auf das neue Album.

Montag, 17. April 2017

Ausstellung: Rot - Deutsches Filmmuseum, Frankfurt

Es soll niemand behaupten können, ich ließe Kunst keine Chance. Das Deutsche Filmmuseum bietet aktuell eine Sonderausstellung unter dem Titel "Rot" an. Ich war da.

Was benötigt man für eine solche Ausstellung?
  • Eine kurze Einführung zum Hintergrund des Sehens. Also das mit den Stäbchen und Zäpfchen. 
  • Ein paar Menschen (Filmstudenten?), die Filme nach markanten Szenen mit rotem Licht, Blut, Make-Up, Gegenständen oder Kostümen durchsuchen und diese zusammenschneiden.
  • Als besonderen Clou: Projektionen, die von der Decke senkrecht nach unten strahlen. Die Projektionsfläche hält der geneigte Besucher dann selbst in Form des Begleitblatts.
Eindrucksvoll erschien mir der "Raum" in der Mitte der Ausstellung. Dort ist der Besucher von vier Projektionsflächen umgeben und zeitweise werden aus allen Richtungen Ausschnitte gezeigt. 

Samstag, 15. April 2017

Musik: Happyness - Write in

























Ungekämmt charmant. 

Mir fällt es leichter Musik zu hören, sobald ich sie einer oder mehreren Schubladen zugeordnet habe. "Write in" machte es mir schwer. Die ersten beiden Titel lockten mich auf die College Rock- und Indierock-Fährten, um mir danach mit etwas Shoegaze die Sicht zu vernebeln. Der langsame Song "Through windows" gefiel mir auf Anhieb und "Uptrend/style raids" erinnerte mich an die Verschrobenheit von Gomez. 

Happyness wurde von Jon EE Allan, Benji Compston und Ash Cooper 2013 in London gegründet. Mit ihrem Debüt "Weird little birthday" heimsten sie ihn ihrer Heimat viel Kritikerlob ein. Für die Textzeile "I'm wearing Win Butler's hair / There's a scalpless singer of a Montreal rock band somewhere" aus dem Song "Montreal rock band somewhere" gab es gar eine besondere Auszeichnung vom NME. 

Für das zweite Album standen der Band wahrscheinlich viele Türen offen. Sie entschied sich wieder für Aufnahmen in ihrem eigenen "Studio" über einem Buchladen. Die teuersten Ausgaben für einen 8-Spur-Rekorder und einen Luftentfeuchter waren mit 500 Pfund abgedeckt. Entsprechend ungekämmt und charmant klingt "Write in".  

"Falling down", "Through windows", "Uptrend/style raids" und "The C is A B A G" sind meine Lieblingstitel auf "Write in". 

Das Video zu "Falling down":


Happyness im Mai in Deutschland:

  • 09.05. Berlin
  • 10.05. Hamburg

"Write in" ist

und klingt so sympathisch, wie die jungen Herren sich hier geben:

Mittwoch, 12. April 2017

Göppingen








Und warum reist man nach Göppingen? Weil es die besten Angebote nun einmal in Schwaben gibt. Aktuell sind Feiertage günstig. 

Musik: Claire - Tides


























Radiotauglicher Electropop aus München. 

Claires Debüt "The great escape" aus dem Jahr 2013 war mehr als ein Achtungserfolg: Ansehnliche Verkaufszahlen, eine erfolgreiche Tour und Auftritte auf amerikanischen Festivals gaben der Münchner Band Rückenwind für den Nachfolger "Tides". Entsprechend selbstbewusst und gut gelaunt klingt dieser. Unterstützung erhielt die Band vom Produzenten Dave McCracken. Dieser hat sich u. a. durch seine Arbeiten mit und für Ian Brown, Florence & The Machine, Depeche Mode und dEUS einen Namen gemacht.

Die Band um Sängerin Josie-Claire Bürkle jongliert souverän mit diversen Spielarten des Electropop. Für ein überzeugendes Album fehlen allerdings etwas mehr Abwechslung und eine größere Dichte an erinnerungswürdigen Melodien. Gute Stimmung und tanzbare Songs bietet "Tides" aber allemal. "Friendly fire", "Say it" und "Burn" sind meine Anspieltipps.

"End up here":


"Two steps back":


"Drowning":



Claire live:
  • 27.04. Frankfurt
  • 28.04. Köln
  • 29.04. Dresden
  • 01.05. Leipzig
  • 02.05. Hamburg
  • 03.05. Berlin
  • 05.05. München
  • 06.05. Stuttgart
  • 08.05. Nürnberg
  • 11.05. Mannheim
  • 12.05. Regensburg
"Tides" ist:

Dienstag, 11. April 2017

Musik: Timber Timbre - Sincerely, future pollution

























Düster, überraschend und abwechslungsreich. 

Mit dem "Sewer blues" hatte mich Timber Timbre neugierig gemacht auf deren sechstes Album. Live konnte ich der Band durchaus schon einmal etwas abgewinnen, aber die Alben erschienen mir doch etwas eintönig. Meine Befürchtung, dass "Sewer blues" der einzige Höhepunkt der neuen Platte sein könnte bewahrheitete sich keinesfalls. 

Für die Aufnahmen zu "Sincerely, future pollution" hatten sich die Kanadier in die La Frette Studios im Pariser Umland eingemietet. Das dort vorhandene Equipment aus Synthesizern und Drumcomputern inspirierte die Band offensichtlich zu einer Symbiose der Blues- und Folkwurzeln mit elektronischen Klängen. Nick Cave hat sein Album "Skeleton tree" an gleicher Stelle aufgenommen und ich meine den seinen Nachhall auch auf dem einen oder anderen Song (z. B. "Moment") zu spüren. "Sincerely, future pollution" klingt nicht so traurig wie Caves letztes Album, aber die Grundstimmung ist "Cave-esque". 

Die Elekro-Spielereien tun der Band sehr gut. Überraschend ist vor allem das fast funkige "Grifting", während der Titelsong mit seinem Bass und seiner Tiefe überzeugt. Toll. 

Das Video zu "Velvet gloves & spit":


"Sewer blues":


Die Band ist aktuell auf Tour in Deutschland:
  • 11.04. Berlin
  • 15.04. Hamburg
  • 23.08. Bochum
"Sincerely, future pollution" ist:

Montag, 10. April 2017

Buch: Andrea Wulf - Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

























Wissenschaft unterhaltsam.

So erfolgreich und unterhaltsam Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" auch gewesen sein mag, die tatsächliche Bedeutung Humboldts hat mir das Buch nicht nachdrücklich vermittelt. Doch dafür gibt es "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur".

Die Historikerin Andrea Wulf hat mit diesem Buch einem der letzten Universalgelehrten ein weiteres kleines Denkmal gesetzt. In biografischer Manier werden die relevanten Lebensstationen und Reisen Humboldts geschildert. Es lohnt sich, diese anhand der Karten im Buch nachzuvollziehen. Mir fällt es schwer mir vorzustellen, wie sich Reisen im frühen 19. Jahrhundert gestalteten. Ich vermute verspätete ICE waren da noch die kleineren Herausforderungen. Umso mehr Achtung habe ich nun nach der Lektüre des Buchs vor Humboldts Lebensleistung. Und die Tiefe und Breite seiner Erkenntnisse sind unfassbar. Er erkannte bereits Zusammenhänge, die von aktuellen Staatspräsidenten geleugnet werden.

Humboldt war ein echter Weltbürger: Von belesenen Landsleuten wie Goethe geschätzt, ein regelmäßiger Ansprechpartner für US-Präsident Thomas Jefferson und ein angesehener Wissenschaftler in der ganzen Welt, vor allem aber in Paris und London.

Erkenntnisreich für den Leser sind auch die direkten und indirekten Verbindungen zu anderen einflussreichen Personen. Simón Bolívars Kampf für Unabhängigkeit in Südamerika wurde durch Humboldt ebenso befeuert wie Charles Darwins Entwicklung der Evolutionstheorie. Henry David Thoreau und George Perkins Marsh (einer der ersten Umweltschützer der USA) ergötzten sich an seinen Werken, sowie Ernst Haeckel (dem "Erfinder" der Wortes Ökologie und seiner Bedeutung) und John Muir, der für Nationalparks wie den Yosemite kämpfte.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die zahlreichen Quellenverweise, aber ansonsten liest sich das Buch flüssig und stellenweise gar fesselnd. Man könnte sich natürlich von dem Umfang (560 Seiten) abschrecken lassen. Der Epilog endet allerdings auf Seite 420 und die Quellenangaben ab Seite 439 lesen sich wirklich schnell. ;-)

Sonntag, 9. April 2017

Konzert: The Lake Poets in Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur, 08.04.2017


Nordenglische Melancholie im Westerwald. 

Erneut luden Ursula (den Bericht aus erster Hand gibt es dort) und Dirk zu einem ihrer Wohnzimmerkonzerte nach Montabaur. Künstler nach Montabaur zu locken, bedarf offensichtlich gründlicher Recherchen. Der Engländer Martin Longstaff outete sich bei einem Konzert als Lehrer, Dirk nahm diese Information dankend auf und fragte für einen Termin in den Ferien an. Und schon gelangt Montabaur auch auf Longstaffs musikalische Landkarte. Vielleicht inspirierte ihn der Sonnenuntergang am gestrigen Abend gar zu einem neuen Song. 


Longstaffs bisher einziges Album als The Lake Poets konnte bei mir 2015 nur einen Achtungserfolge erzielen. Leise Töne und Menschen haben es eben manchmal schwer. Gestern gewannen die Songs durch Longstaffs Erläuterungen zum jeweiligen Hintergrund und natürlich durch ihn selbst und die "ehrliche" Darbietung seiner Kunst. Für den Song "Lost in the city" bediente er sich des Textes einer 11 jährigen Schülerin seines "creative writing"-Kurses. "Your face" war der fröhliche Song, den Produzent Dave Stewart (ja, der Dave Stewart) bei den Aufnahmen in Nashville einforderte. Den Kontrast bildete kurz darauf "North view", ein Song den Longstaff mit der Demenz seiner Großmutter verbindet. 

Für zwei Songs gegen Ende des Sets sorgte Tourbegleiter James für Rhythmus und Stimmung. 


  • Windowsill
  • Lost in the city
  • Friends
  • Edinburgh
  • Rain
  • April
  • Your face
  • Runaway
  • North view
  • Dead horses
  • In the way
  • See you tonight
  • How do you love me? 
Wie bislang immer in diesem Wohnzimmer wurde die Atmosphäre dem Künstler mehr als gerecht. Und das Essen war auch wieder toll. Und bunt.


P.S.: Axel Who?

Freitag, 7. April 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Mando Diao - Shake

Nach dem Seitensprung mit Caligola ist Mando Diao um eine Erfahrung reicher aber um einen Frontman (Gustaf Norén) ärmer. Mit "Good times" wird am 12.05. ein neues Album der Schweden erscheinen. Einen ersten Eindruck erlauben Single und Video zu "Shake":



Im Juni wird die Band neue und bestimmt auch alte Hits auf den Hurricane und Southside Festivals präsentieren.

Donnerstag, 6. April 2017

Musik: Future Islands - The far field


























Wie die Wild Beasts... nur nicht so gut. 

Future Islands machten schon über einige Jahren und Alben Musik, doch populär wurden sie mit diesem Auftritt vor drei Jahren bei Letterman. Sänger Samuel T. Herring gab alles:


Das zugehörige Album "Singles" brachte es zu akzeptablen Chartplatzierungen und das Trio aus Baltimore blickte in eine hoffnungsvolle Zukunft. Mit den unfassbar zahlreichen Konzerten in den Jahren 2014 und 2015 hat sich die Band eine solide Fanbasis erspielt. Mit dem fünften Album "The far field" wird sich nun zeigen, ob die Substanz der Band für eine weitere Karrierestufe ausreicht.

Unter John Congletons (ja, der schon wieder) Regie nutzen die Future Islands die Elemente, die sie über die ersten Alben perfektioniert haben: Synthieschichten, markante Basslinien und eben Herring als strahlender Stern über allem.  

Mit "Time on her side", "Ran", "Cave" und "North star" enthält "The far field" zweifellos gefällige Songs und mit Debbie Harry auch eine prominente Duettpartnerin ("Shadows"). Über Albumlänge kann mich das alles aber nicht so begeistern wie Samuel T. Herrings Performance bei Letterman. Allein die Erwartung der einen oder anderen intensiven Gesangspassage erzeugt nicht genug Spannung. Vielleicht sind die anstehenden Auftritte in Deutschland zumindest ähnlich sehenswert:
  • 27.06. Köln
  • 06.11. Hamburg
  • 08.11. München
"Ran":


"Cave":


"The far field" ist:

Mittwoch, 5. April 2017

Song: Waaktaar & Zoe - Laundromat

So ein heimtükischer Song, der sich durch die Hintertür zum Ohrwurm entwickelt hat. Die Hälfte von Waaktaar & Zoe ist ein Drittel von a-ha, so erklärt sich das auch mit der Pop-Qualität.

Dienstag, 4. April 2017

Musik: The Moonlandingz - Interplanetary class classics


























Auffallen um jeden Preis. 

Je schräger eine Band im nicht deutschsprachigen Ausland erscheinen möchte, desto größer die Chance, dass einige deutsche Worte genutzt werden. Ich denke da spontan an "Ich trinke Schampus mit Lachsfisch", Tools "Die Eier von Satan" oder Rammstein. The Moonlandingz brüllen in bester Opern-Manier am Ende des Songs "Glory hole" ein beherztes "Ich liebe Dich", danach startet der Titel "Lufthansa man". Im gesamten Auftritt kann man der Band vieles, aber keine Subtilität unterstellen. 

Die Ursprünge des Projekts The Moonlandingz gehen zurück auf das 2015 erschienene "Johnny Rocket, narcissist and music machine… I’m your biggest fan" von Eccentronic Research Council. So schnell wird aus einer fiktiven Band ein Album. The Moonlandingz bestehen aus Adrian Flanagan und Dean Honer vom Eccentronic Research Council sowie Lias Saoudi  und Saul Adamczewski von Fat White Family. Augenommen wurde das Album mit Sean Lennon im Staat New York. Dessen Mutter ist ebenso als Gast auf "Interplanetary class classics" vertreten wie Randy Jones (aka der Cowboy der Village People), Rebecca Taylor (Slow Club) und Phil Oakey (The Human League). 

Electrobeats, ein paar Indiegitarren, wenige Jazz-Rhythmen und viele Experimente... das Gesamtwerk ist schwer zu beschreiben. Aber es ist ein buntes Potpourri an Ideen und eine tolle Abwechslung für Musikfans. "Sweet Saturn mine", "Black Hanz", "The rabies are back" und "This cities undone" sind meine Empfehlungen auf "Interplanetary class classics". 


Das Video zu "Black Hanz":


"The strangle of Anna":


The Moonlandingz live:

  • 22.04. Köln
  • 24.04. Berlin
  • 25.04. Hamburg

"Interplanetary class classics" ist:


Montag, 3. April 2017

Sonntag, 2. April 2017

Musik: Goldfrapp - Silver eye

























Überzeugend mit Electropop.

Alison Goldfrapp und Will Gregory haben als Goldfrapp ihren Fans und Hörern über sechs Alben schon verschiedenste Soundlandschaften geschenkt oder beschert. Von Electropop über langweilige Ambient-Experimente und Trip Hop bis zu Folktronica wurden diverse Spielarten elektronischer Musik abgedeckt.

Vier Jahre nach "Tales of us" schwenkt die Band mit "Silver eye" wieder klar in Richtung Electropop und das gelingt sehr überzeugend. Titel wie "Anymore", "Systemagic", "Become the one" und "Zodica black". Mit Allzweck-Waffe John Congleton, Leo Abrahams (u. a. Wild Beasts und Brett Anderson) und Bobby Krlic aka The Haxan Cloak (Björks "Vulnicura") durfte gleich eine ganze Produzenten-Herde Ideen einbringen. Komplett neu klingt Goldfrapp auf "Silver eye" trotzdem nicht, aber überzeugend.   

Das Video zu "Anymore":


"Ocean":


"Silver eye" ist: