Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Montag, 21. August 2017

Film: Spotlight

























Eine wahre Geschichte packend erzählt. 

Diesen Film hatte ich zu lange auf der Wunschliste. Die Schilderung der journalistischen Bearbeitung von vielen Fällen sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche Bostons ist in jeder Hinsicht eindrucksvoll gelungen. Wirklich umwerfend sind die Schauspieler. Vor allem Mark Ruffalo, Rachel McAdams und Michael Keaton stellen den Job des Journalisten so dar, wie ich ihn mir vorstelle. Kenner der Branche müssen bewerten, ob dieses Bild realistisch ist. Wandlungsfähigkeit beweist in "Spotlight" auch Liev Schreiber. 

Sehenswert.

Sonntag, 20. August 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: The War On Drugs - Pain

Ich bin gespannt auf das neue The War On Drugs-Album. Der Song "Pain" ist ein toller Vorbote und in dieser Live-Version klingt er auch weniger nach Bryan Adams' "Heaven" als in der Studio-Version:



Samstag, 19. August 2017

A Summer's Tale 2017 (5)

Als Nachlese auf das gelungene "A Summer's Tale"-Festival 2017 empfehle ich noch die Berichte von Festival-Veteranin U. und die 13 Beobachtungen des Rolling Stone. 

Freitag, 18. August 2017

Welcome back? The Knife

Noch mehr hätte ich mich über ein neues Studioalbum gefreut, aber jedes Lebenszeichen der Band ist willkommen. So ist es halt ein Live-Album geworden.

Donnerstag, 17. August 2017

Musik: The Sherlocks - Live for the moment


Frischer Indierock. 

Als Bands aus Geschwisterpaaren fallen mir spontan ein: Radiohead, Oasis, Arcade Fire, Bee Gees (ok, 2 + 1), Beach Boys (2 + 1), AC/DC, Kings Of Leon, Van Halen, The Kinks, First Aid Kit, The Bangles und The Stooges. Dieser Liste kann ich nun The Sherlocks hinzufügen, bei denen gleich zwei Brüderpaare (also 2 + 2) musizieren. Mir ist keine ähnliche Konstellation bekannt, aber ich lasse mich gerne belehren. 

Doch nicht nur diese Tatsache qualifiziert sie für eine Vorstellung, sondern auch das Ergebnis ihrer musikalischen Aktivitäten: "Live for the moment" klingt erfreulich frisch versprüht viel Energie. Erst in der zweiten Hälfte mit "Was it really worth it?" und "Turn the clock" werden mal Momente zum Luft holen gewährt. Bei fast jedem der Songs des Debüts der vier Männer aus South Yorkshire dachte ich entweder an Maximo Park oder an die Arctic Monkeys. Und wenn wir schon bei Vergleichen sind: Seit den Arctic Monkeys waren The Sherlocks die erste Band ohne Plattenvertrag, welche die nahe der jeweiligen Heimat gelegene Konzert-Lokation Sheffield Leadmill ausverkaufte. Seit der Tour im Vorprogramm der Kings Of Leon und spätestens mit diesem Album sollte sich die Begeisterung für diese Band nicht mehr auf Sheffield und Umgebung beschränken lassen. 

Besonders gut gefallen mir "Will you be there?", "Chasing shadows", "Nobody knows", "Heart of gold" und "Motions".  

Einen Eindruck der Live-Atmosphäre der Band bietet das Video zu "Chasing shadows":

"Will you be there?":


"Live for the moment" klingt nach:

Mittwoch, 16. August 2017

Auch Wasserfälle sind relativ

Der Leyenbach-Wasserfall gilt als der eindrucksvollste Wasserfall an der Westerwälder Basalthochfläche. Jetzt weiß ich, dass es eine Westerwälder Basalthochfläche gibt und ich bin froh, dass ich diesen Wasserfall kurz nach einer Regenperiode besuchen konnte:


Übrigens ist dieser Wasserfall auch der einzige Wasserfall der Westerwälder Basalthochfläche. ;-)

Dienstag, 15. August 2017

Musik: UNKLE - The road., pt. 1

























Der Straße weiter folgend...

Eigentlich ist es unnötig zu erwähnen, dass UNKLE damals als Kollaboration zwischen Mastermind James Lavelle und DJ Shadow mit "Psyence fiction" eines meiner Lieblingsalben der 90er Jahre veröffentlichte. Aber nächstes Jahr ist das 20. Jubiläum der Veröffentlichung... ;-)

Das einzige konstante Mitglied der "Band" ist James Lavelle (Chef des Mo' Wax-Labels). Die Anzahl der Gäste auf seinen Alben ist umso länger. Hier die Liste der "Associated acts" aus Wikipedia: Josh Homme, Queens of the Stone Age, Ian Brown, Mark Hollis, South, Badly Drawn Boy, Mike D, Beastie Boys, Lupe Fiasco, Richard Ashcroft, The Verve, The Duke Spirit, Autolux, Oasis, Gavin Clark, Cattle Decapitation, Robert Del Naja, Ian Astbury, Massive Attack, The Stone Roses, Alice Temple, Kool G Rap, Thom Yorke, Radiohead, The Black Angels, John Debney, Mike Shinoda, Linkin Park, Elliott Power. Wenn James Lavelle ruft, kommen sie offensichtlich. So funktionierte auch das Londoner Meltdown Festival, welches er 2014 kuratierte (2015 wurde diese Ehre übrigens David Byrne und 2016 Guy Garvey zuteil). Das Festival inspirierte Lavelle zu diesem fünften Studioalbum (nicht gezählt sind die zahlreichen Remixe, Sampler,...), welches sieben Jahre nach "Where did the night fall" erscheint. 

Auch dank seiner Gäste wandelt Lavelle mit UNKLE souverän zwischen diversen Welten. Weitgehend setzt "The road., pt. 1" dort an, wo "Where did the night fall" begann, UNKLEs bisheriges Output zusammenzuführen. Der im Vergleich zu den Vorgängern reguzierte Rock-/Alternative-Teil wird von Andrew Innes von Primal Scream, Chris Goss (Kyuss, Queens Of The Stone Age), Twiggy Ramirez (Marilyn Manson), Troy Van Leuwson (ebenfalls QOTSA) und mal wieder von Mark Lanegan vertreten. Ansonsten liefert UNKLE die bekannte Mischung aus Trip Hop und Electro. Vermutlich wird "The road, pt. 2" keine sieben Jahre auf sich warten lassen. 

Meine Song-Empfehlungen sind "Looking for the rain" (mit Mark Lanegan), "Cowboys or indians", "No where to run / Bandits" und "Arms lenght". 

Das Album erscheint mit einem 36-seitigen Booklet, welches vermutlich wie immer auch optisch ansprechend gestaltet sein wird und der Instrumental-Versionen der Songs. 

"The road":


"Looking for the rain":


"The road, pt. 1" ist:



Montag, 14. August 2017

Film: Dunkirk

























Für einen Kriegsfilm absolut ok. 

Eigentlich interessieren mich Kriegsfilme nicht. Doch Christopher Nolan als Regisseur sowie Tom Hardy und Cillian Murphy als Schauspieler lockten mich ins Kino. Gut, Murphy spielte einen geschockten Soldaten und Hardy einen Piloten. Mit der Maske erinnerte er zwar an Bane (siehe "The Dark Knight Rises"), aber ansonsten flog er halt. Bezüglich der Auftritte dieser Herrn war ich enttäuscht, "Dunkirk" konnte mich trotzdem weitgehend überzeugen: An wenigen Personen und gar nicht so blutig wurde der Sachverhalt um die "Operation Dynamo" im 2. Weltkrieg dargestellt. Zu patriotisch geriet der Film auch nicht, mehr konnte man eigentlich nicht erwarten. 

Sonntag, 13. August 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Terry Hoax - Shining

Dank einer äußerst erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne konnte Terry Hoax ein neues Album finanzieren. Und vielleicht gerade dank dieser Kampagne fand sich auch wieder ein Label, welches "Thrill!" im September veröffentlichten wird. Unterstützter der Kampagne konnten das Album bereits herunterladen. :-)

Hier der Song "Shining" daraus:

Freitag, 11. August 2017

Musik: Paul Draper - Spooky action






















Hohe Erwartungen annähernd erfüllt. 

Der erste Titel auf diesem Album ist "Don't poke the bear". Wenn ein Künstler fast 15 Jahre auf sein Solo-Album warten lässt, ist der Vergleich zu einem Bär nicht weit hergeholt. 

Paul Draper ist langsam aus seinem (zum Teil krankheitsbedingten) Winterschlaf erwacht. Mit Mansuns Ende im Jahr 2003 blieben viele Fans erst einmal ratlos zurück. Aus den letzten Aufnahmesessions kreierte Draper noch das Box-Set "Kleptomania". Dann wurde es sehr ruhig um ihn. Fans starteten gar Petitionen um ihn zur Arbeit an seinem Solomaterial zu motivieren. Wirklich ernst zu nehmende Lebenszeichen waren ab 2013 zu vernehmen. Zuerst verlautbarte er, dass er überlege, Material seines nie abgeschlossenen Albums "Spooky action at a distance" zu veröffentlichen. Ein strahlender Hoffnungsschimmer war seine Zusammenarbeit mit The Anchoress aka Catherine Anne Davies. Einige der daraus entstandenen Titel (vor allem "You and only you") wären seines Solo-Debüts würdig gewesen. 

Ab Mitte 2016 veröffentlichte Draper "EP One" und "EP Two". Ab da lief die Marketingmachine für das nun erschienen "Spooky action". Jeweils die ersten Titel der EPs fanden auf der aktuellen Platte Verwendung.

"Spooky action" erinnert weniger an Mansun, als es sich die hard-Fans vielleicht gewünscht hätten. Wegen Drapers Stimme und Stukturen, die man auch auf den späteren Mansun-Alben gehört hat, ist die Verwandschaft zwar unverkennbar, aber Draper setzt klar eigene Marken. Der Abstand zu "Kleptomania" tut dieser Platte gut, aber bis zum Nachfolger möchte ich nicht wieder so lange warten müssen.

"Don't poke the bear", "Who's wearing the trousers", "Friends make the worst enemies" und "Feeling my heart run slow" sind bislang meine Favoriten auf "Spooky action".  

Das Video zu "Things people want":

"Friends make the worst enemies":

Die Tour in Drapers Heimat ist annähernd ausverkauft. Ich hoffe er traut sich auch über den Kanal. 

"Spooky action" klingt nach: 

Donnerstag, 10. August 2017

Musik: Jen Cloher - Jen Cloher

























Erfreulich kantig aber ein Schliff hätte gut getan.

Jen Cloher ist schon länger als zehn Jahre im Geschäft und in ihrer australischen Heimat eine größere Nummer. Ihr letztes Album "In blood memory" war für den "Australian Music Prize" nominiert. Ihre Partnerin Courtney Barnett hat den gleichen Preis 2016 gewonnen. Gemeinsammit betreiben die beiden das Label Milk! Records, auf dem auch Clohers viertes Album "Jen Cloher" erscheint.


Sowohl textlich als auch musikalisch zeigt Cloher Ecken und Kanten. Sie widmet sich den Themen Musikindustrie ("Shoegazers", absolut hörenswert), Einsamkeit und den Herausforderungen homosexueller Frauen. Die Musik dazu ist vornehmlich schrammelig-rockig (das meine ich positiv). Das Album zeigt diverse Ansätze und Ideen, nur komplett ausgegoren wirkt es nicht. Aus meiner Sicht könnte Cloher sich gerne noch einen Tick selbstbewusster und ihrer Musik eine klare Linie geben.

Meine Empfehlungen sind "Regional echo", "Shoegazers" und "Strong woman".

Das Video zu "Regional echo":


Und das zu "Forgot myself":


Jen Cloher live in Deutschland:

  • 17.09. Berlin
  • 20.09. Hamburg (Festival)

"Jen Cloher" klingt nach:

Mittwoch, 9. August 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Hercules & Love Affair feat. Sharon Van Etten - Omnion

Auf den ersten Blick gehören Hercules & Love Affair und Sharon Van Etten nicht zusammen... entscheidet selbst:

Dienstag, 8. August 2017

A Summer's Tale 2017 (4)

In Erwartung einer im Vergleich zum Vortag größeren Anzahl von Besuchern trieb es uns auch am Abschlusstag recht früh auf das Festivalgelände. Als erster Programmpunkt bot sich The Swan Arnsberg Show an, weil ich endlich mal eine komplette Veranstaltung im "Grünen Salon" erleben wollte. 


Dahinter verbarg sich Sven Amtsberg, der als Moderator, Sprecher, Autor und Verleger tätig ist. Seine Performance trug den Titel "Die Wahrheit über Alkohol". Amtsbergs Auftritt profitierte von dessen Qualitäten als Unterhalter. Er verstand es, um 11.30 Uhr des letzten Festivalstages die Anwesenden zu "mobilisieren". Da musste jeder Besucher damit rechnen, irgendwie Teil der Show zu werden. Der Höhepunkt war das kollektiv betriebene "Yoga für Betrunkene".


Während ich Science Slams inzwischen nach Möglichkeit gerne in mein Unterhaltungsprogramm einbaue, schreckte ich vor Poetry Slams zurück, mit Poesie habe ich es nicht so. Der Poetry Slam im Rahmen des Festivals brachte für mich zwei Erkenntnisse: Mit Lyrik oder Poesie hatte zumindest diese Veranstaltung nicht viel zu tun, aber wirklich gut unterhalten fühlte ich mich nicht und gelernt habe ich auch nichts. Aber schön, es mal probiert zu haben.

Zwischenzeitlich widmet ich mich den in "The Tale's Café" von Weinhändler und Autor Gerd Rindchen dargebotenen "Winzeranekdoten". Das war eine gute Einstimmung auf die Weinprobe (s. u.).



Auf Blaudzun hatte ich mich im Vorfeld gefreut, weil ich dem niederländischen Musiker bislang nicht viel Zeit gewidmet hatte, ich aber wegen vieler positiver Erwähnungen sehr neugierig war. Die Show war ein extrem starker Einstieg in die Konzertreihe des Tages.


Für die Präsenz der Truppe und die zum Teil opulent arrangierten Songs war diese Bühne eindeutig zu klein. Es hat seinen Grund, dass Blaudzun in seiner Heimat schon seit Jahren sehr erfolgreich ist. 

Bezüglich Bandorganisation hätte ich einen Vorschlag: Vielleicht sollte man die wilde Dame und den Emo-Gitarristen in den Mittelpunkt des Bühnenbildes rücken und den tollen Musiker Blaudzun eher in den hinteren Teil stellen... ;-)

Noch von dem Konzert beschwingt ging es zum nächsten Höhepunkt: Der Weinprobe bzw. dem "Welcher Wein soll's sein"-Workshop. Bei diesem wurde fünf Weine ausgeschenkt und jeweils eine korrespondierende Speise (z. T. aus dem kulinarischen Angebot des Festivals: Käse, Falafel, Schokolade, Pizza, Honigwaffel) zur Verkostung angeboten. Einige der Kombinationen funktionierten wirklich gut und die Stimmung bei den Workshop-Teilnehmern entwickelte sich ähnlich. Die Workshops im Rahmen des Festivals waren definitiv eine Bereicherung. 



Ein kurzer aber heftiger Regenschauer hielt Bear's Den und deren Zuschauer nicht von der Bühne fern.  Deren aktuelles Album "Red earth & pouring rain" (damit haben sie den Regen wirklich herausgefordert) konnte mich nicht vollends überzeugen, aber die stärken Titel (vor allem "Emeralds") ließen mich diesen Auftritt in guter Erinnerung behalten. Der Nachmittag mit radiofreundlicher Musik scheint bei A Summer's Tale Programm zu sein und da konnte sich Bear's Den ein Stück weit abheben.


Auf dem Weg zum Zeltraum konnte ich noch einen kleinen Skandal aufdecken: Obwohl das Festival im Hinblick auf möglichst geringe Auswirkungen auf die Umwelt und hohe Qualität des angebotenen Essens sicherlich viele andere Musikveranstaltungen in den Schatten stellt, kam es auf dem Gelände zu Misshandlungen an Tieren. Hier der Beweis:



Judith Holofernes passte sehr gut zur familienfreundlichen Stimmung des Festivals. Obwohl ich zum aktuellen Album hin eine Qualitätssteigerung registriert habe, zielen viele ihrer Solo-Titel absichtlich oder eben aus anderen Gründen auf ein sehr junges Publikum ab. Direkt in meiner Umgebung standen standen Lebke, Jule und deren Eltern. Lebke hatte Hunger und Jule wollte ihren Gehörschutz nicht aufziehen... aber zurück zu Judith Holofernes. Gute Songs wie "Analogpunk" und "Ich bin das Chaos" ließen durchaus etwas Helden-Stimmung aufkommen. Aber es waren zu viele Titel zweifelhafter Qualität dabei, um dieses Set in meinen Ohren als "gelungen" zu bezeichnen. Spätestens als Holofernes auf ihrem Buch "Du bellst vor dem falschen Baum" vorlas, hat sich mich abgehängt. 



Da kam mir im Kontrast der anschließende Element Of Crime-Auftritt sehr gelegen. Sven Regeners Gesang klingt ungefähr so altbacken, wie ich mich bei Judith Holofernes fühlte. Element Of Crime haben mich noch nie sonderlich interessiert und ihr Auftritt bestätigte mich in meinem Urteil. 



Die Stereo MC's leben noch. Deren Hits und allen voran "Connected" habe ich mir gerne live angehört. Rob B hat definitiv noch genug Energie für ein komplettes Konzert und die Stereo MC's wussten große Teile des Publikums zu begeistern. 


Musikalisch beschloss Feist das diesjährige A Summer's Tale-Festival. Die Gitarren-lastigen Titel auf ihrem aktuellen Album "Pleasure" gefielen mir auf Platte und auch live. Der Auftritt ließ sich weitgehend auf diese Formel bringen: Sobald Feist die E-Gitarre umlegte, kam ein guter Song. Die Akustik-Gitarre hingegen kündigte weniger spannende Titel an. 


Damit bildete Feists Konzert den würdigen Abschluss und auch ein angemessenes Fazit für dieses tolle, abwechslungsreiche und insgesamt wunderbar relaxte Festival. 

Montag, 7. August 2017

A Summer's Tale 2017 (3)

Am dritten Festivaltag stand ich pünktlich zum Einlass um 10 Uhr in der Schlange am Festivalgelände. Für den Workshop "Speak Up" konnte ich vorab keinen Platz mehr reservieren, daher hoffte ich auf die Plätze, die erst kurz vor Workshopbeginn vergeben werden. Der Workshop war eine unterhaltsame Mischung aus Gruppenspielen sowie Körper- und Stimmübungen. 



Nach dem Workshop schaute ich mir noch den Vortrag "Wälder im Wandel" an und lernte dabei einiges über die Entwicklung der Wälder.

Um 13 Uhr strömten die Besucher zum Zeltraum. Lüneburg liegt bekanntlich unweit von Hamburg und in Hamburg erfolgreiche Künstler haben es bei "A Summer's Tale" leicht. Heinz Strunk las aus seinem neuen Buch "Jürgen". Darin beschreibt er die Lebensweise des "White trash" in Deutschland. Der satirische Blick auf das Leben des Jürgen Dose und seines Kumpels Bernd Würmer brachte mich an einigen Stellen zum Lachen. Die Atmosphäre des Buchs brachte Strunk m. E. gut rüber, auch dank der Verkleidung auf der Bühne.

Vorher:

Nachher:

Mit Querflöte:



Die Geschichte an sich klang nicht so spannend, dass "Jürgen" oben auf meiner Leseliste landen wird. Aber für etwas Unterhaltung zwischendurch werde ich sie im Hinterkopf haben. 


In Ermangelung von Alternativen schaute ich noch bei "Unter meinem Bett" vorbei. Unter diesem Label machen deutsche Singer/Songwriter Lieder für Kinder. Interessanterweise unterschied sich Bernd Begemanns Auftritt vor diesem jungen Publikum nicht wesentlich von dem am Eröffnungstag vor "Erwachsenen". Bernd Begemann ist halt Bernd Begemann. 



Musikalisch ernst wurde es danach mit Get Well Soon. Die Band um Konstantin Gropper konnte mich in der Vergangenheit nicht komplett überzeugen und daran änderte auch dieser Auftritt nichts. Einige der Songs des aktuellen Albums "Love" ("It's love" und "Marienbad") gefallen mir und diese waren aus meiner Sicht auch die Höhepunkte des Sets. Den Titel "It's a catalogue" nahm Gropper zum Anlass, das "A Summer's Tale"-Festival mit einem Club Med-Katalog zu vergleichen. Die relaxte Atmosphäre zu diesem Zeitpunkt passte auch wirklich zu den überwiegend harmlosen Songs. 



Zwecks Nahrungsaufnahme musste ich meinen Besuch bei Dear Reader kurz halten, aber sympathisch wirkte die Band auf jeden Fall.



Mit Conor Oberst trat anschließend einer der Musiker auf, auf dessen Auftritt ich gespannt war. Oberst / Bright Eyes verfügen über eine solide Fanbasis und einige seiner Songs sind unumstritten toll. Das Set an diesem Tag war sehr country-lastig und konnte mich nicht von der Seitentribühne reißen. 


Auch die Radiohörer wurden an diesem Festivaltag bedacht. Birdy lieferte charmant ihre Songs ab und passte gut ins Nachmittagsprogramm. 



Nach einem musikalisch entspannten Nachmittag brachten The Notwist den Wendepunkt des Tages. Die Herren aus Weilheim spielen bereits seit Jahren in einer eigenen Liga, ach was, in einem eigenen Klangkosmus, und diesen Status unterstrichen sie mehr als eindrucksvoll an diesem Abend. Stellenweise erreichte die Band hypnotische Sphären während ihres Sets. Das Publikum im Zeltraum war begeistert. Ich auch. 



Da The Notwist während ihres Improvisationswahns die Zeit etwas aus dem Auge verloren hatten, galt es nun, schnell vom Zeltraum zur Konzertbühne zu wechseln, den dort trat eine Band auf, die ich zuletzt im Jahr 2005 gesehen habe (in Stockholm mit der Vorgruppe Arctic Monkeys!). Die Alben der letzten Jahre rissen mich nicht mehr so vom Hocker wie das Debüt, aber der Abend zeigte, dass die Glasgower über die Jahre doch viele Hits oder zumindest starke Songs angesammelt haben. Schon der Soundcheck früher am Tag hatte mir Lust auf diesen Auftritt gemacht. Er musikalisch absolut überzeugend und übertraf meine Erwartungen. Alex Kapranos' Selbstherrlichkeit hingegen dämpfte den guten Eindrucks des Auftritts. Falls es lustig sein sollte, war es übertrieben. Falls er es ernst meinte, war es bedenklich. Ich hoffe, man kann es auf seine Medikation schieben. Die beiden neuen Bandmitglieder Julian Corrie und Dino Bardot fügten sich erkennbar gut ins Bandgefüge ein. Vor allem Corries kurze Abstecher mit der Gitarre an den Bühnenrand und dann schnell wieder ans Keyboard brachten neben Kapranos Gesten etwas Abwechslung auf die Bühne.


Setlist Franz Ferdinand:
  • The Dark of the Matinée
  • No You Girls
  • Paper Cages
  • Do You Want To
  • Huck & Jim
  • Walk Away
  • Love Illumination
  • Jacqueline
  • Stand on the horizon 
  • Lazy Boy
  • Outsiders 
  • The Fallen
  • Michael
  • Take Me Out
  • Ulysses
Zugaben
  • Always Ascending
  • This Fire

Sonntag, 6. August 2017

A Summer's Tale 2017 (2)

Der zweite Festivaltag begann für mich wegen eines verregneten Morgens erst am Nachmittag mit alten Bekannten, die ich bereits live erleben durfte: A Tale Of Golden Keys. Die Franken hatten sich am Tag ihres Auftritts auf dem "A Summer's Tale"-Festival um 6 Uhr morgens auf den Weg gemacht und so standen sie pünktlich um 14.30 Uhr auf der Bühne. 

Das "aktuelle" Album  wurde bereits 2015 veröffentlicht, der Nachfolger wurde für 2018 in Aussicht gestellt. Vier neue Songs stellte die Band bereits vor und diese machten mir verdammt viel Lust auf den Nachfolger von "Everything went down as planned". Für die Wartezeit empfehle ich den geneigten Hörern das Mini-Album "Postapocalyptic dinosaur terror unplugged" mit sechs Akustik-Versionen ausgewählter Songs. 


Für den letzten Titel "Three weeks" mischte sich die Band unters Publikum, was die für diesen Zeitpunkt zahlreichen Zuhörer vor der Waldbühne begeisterte. 



Die Setlist:

  • Writing on the wall
  • White (neuer Song)
  • Another chapter
  • Punk rock hit (neuer Song)
  • Everything went down as planned
  • In the far distance (neuer Song)
  • All of this
  • Exhale (neuer Song)
  • Disappearing
  • Three weeks

Auf dem Weg zur Eröffnung der Hauptbühne schaute ich noch in Tash Sultanas Auftritt herein. Die Australierin unterhielt die Zuschauer im Zeltraum allein mit vielen Instrumenten und Loops sehr gut.


Der Sonnenschein trocknete den Sand vor der Hauptbühne pünktlich zum Cigarettes After Sex-Auftritt. Der Band und ihrem aktuellen gleichnamigen Album kam in den letzten Monaten viel Aufmerksamkeit zu. Mein Eindruck des Konzert bestätigt den des Albums: Nett aber ereignisarm. Der Schlafzimmerblick des Sängers und Masterminds Greg Gonzalez passte aber sehr gut zur Show. 


Die Common Linnets hörte ich mir aus sicherer Entfernung an. So ein Festival soll bekanntlich für jeden Zuhörer etwas bieten. Bei den jungen Familien und Radiohörern kam die Band vermutlich gut an. Für mich hörte sich das an wie Truck Stop für Fahrer von Elektro-LKWs. Da sammelt ich lieber etwas Kraft am Teich hinter dem "Grünen Salon" für die abendlichen Konzerte. 


Das Festival bietet neben den Konzerten auch ein recht umfangreiches Workshop-Programm. Ein netter Bekannter trat mir seinen Platz bei der "Japanischen Teezeremonie" ab. So konnte ich diesem Ereignis beiwohnen und noch einen Schluck leckeren und erfrischenden Matcha-Tees genießen. 



Ein Grund für meinen Besuch in der Lüneburger Heide war PJ Harveys Auftritt. Die Engländerin übertraf meine Erwartungen mit ihrem einzigen Deutschland-Konzert des Jahres. Die Titel des letztjährigen Album "The hope six demolition project" packten mich in der Studioversion bislang nicht, doch mit diesem Auftritt änderte sich das. Beim Opener "Chain of keys" marschierte PJ Harvey mit einer in jeder Hinsicht beeindruckenden Band (zehn Personen, Bläser, Pauke und Vollblut-Musiker wie John Parish und Mick Harvey) ein. Mit dieser konnte sie die Songs der aktuellen Platte und des Vorgängers "Let England shake" sehr eindrücklich präsentieren. Als Kontrast ließ sie mit "50ft Queenie" ihre rauhe Frühphase durchscheinen und das in den 90er Jahren musikalische sozialisierte Publikum erfreute sie noch besonders mit "Down by the water" und "To bring you my love". Die Vielfalt PJ Harveys ist riesig. Sie liefert ein starkes Set ab, ohne die Hits ihres 2000-er Albums "Stories from the cities, stories from the sea" überhaupt auspacken zu müssen.


Die Songs:

  • Chain of Keys
  • The Ministry of Defence 
  • The community of hope
  • Let England Shake 
  • The Words That Maketh Murder
  • The Glorious Land
  • Dear Darkness 
  • In the Dark placesThe Wheel 
  • The Ministry Of Social Affairs
  • 50ft Queenie
  • Down by the Water 
  • To Bring You My love
  • River Anacostia
Zum würdigen Abschluss des Sets wurde für "River Anacostia" die zehnköpfige Band zu einem Chor.


Für mich war dieser Auftritt selbst durch die Pixies nicht zu toppen. Die Band um Frank Black / Black Francis durchlebt aktuell ihren n-ten Frühling. Mit "Debaser" startete das Set so kurzweilig und auf den Punkt, wie Pixies-Songs eben sind. Ich muss nicht erwähnen, bei welchem Song das Publikum tobte. 




Ich beendete das Festival zur Halbzeit mit der Gewissheit, schon ein paar richtig gute Konzerte gesehen zu haben.

Donnerstag, 3. August 2017

A Summer's Tale 2017 (1)


"Ich fahre diese Woche auf ein Festival." 
"Wacken?" 
"Nein, A Summer's Tale. Indierock für Erwachsene."

Nun ja, für Erwachsene, die aus Einhorn-Bechern trinken. 


An die idyllische Lage in der Lüneburger Heide erinnert eine Naturschutz-Insel auf dem Gelände. 


Der erste Tag verlief entspannt und vom Wetter begünstigt. Zur Ankunft untermalten Mister & Mississippi auf der Waldbühne die erste Mahlzeit des Festivalbesuchs. Spätestens mit Trump-kritischen Sprüchen war die Gunst der Zuhörer gewonnen.



Wenige Stunden vorab wurden zwei Überraschungskonzerte angekündigt. Das erste bestritt Matze Rossi. Die Zuhörer unter dem Zelt genossen seine Songs und den Schutz vor ein paar Regentropfen.



Anschließend schaute ich mir den "Zero Waste"-Workshop an. Zwei Musicaldarstellerinnen berichteten von ihren Erfahrungen aus dem Bereich der Müllvermeidung. Die Aussage "Wir sind Musicaldarstellerinnen, daher kennen wir uns mit Müll aus" fand ich besonders gut. ;-)



Es folgte das zweite Überraschungskonzert des Tages. Die Intergalactic Lovers liefen etwas ziellos über die Fläche, für die ihr Auftritt angekündigt war. Sie bestimmten dann selbst, wo die Bühne zu sein habe. Etwas schüchtern und sehr sympathisch wirkten die beiden. 


Das Ende von Nagels Lesung schaute ich mir noch an, bevor es zu Bernd Begemann und der Befreiung ging. 

Bernd Begemann ist ein toller Unterhalter. Besonders 

"Unten am Hafen" und zugegebenermaßen auch "Verhaftet wegen sexy" kamen beim hamburgphilen Publikum besonders gut an. Und wir haben gelernt, dass Bernd Begemann quasi der Erfinder der Metrosexualität in Ostwestfalen war. 


Beeindruckend war seine Setlist, die die Größe eines kleines Zeltes einnahm. 



Apropos ablesen: Massenkaraoke kam sehr gut an. Es klappte natürlich mit "Hier kommt Alex" wesentlich besser als bei "Love shack" oder "Bohemian Rhapsody", aber der gute Wille zählt bekanntlich. Die Stimmung war sehr gut und hielt (falls ich die Töne aus der Ferne richtig deutete) lange an. 

Den Abschluss für mich bildeten die Sterne. 


Zum Band-Jubiläum interpretierten viele Künstler deren Songs auf dem Album "Mach's besser" und dieses gab weitgehend die Setlist vor. Die Songs "Depressionen aus der Hölle", "Wahr ist, was wahr ist" und natürlich die Hits "Universal Tellerwäscher" und "Was hat Dich bloß so ruiniert gefielen mir besonders. Die Band wurde am Keyboard begleitet von Dyan Valdes von The Blood Arm. Mit ihr duettierte sich Frank Spilker während "Ihr wollt mich töten. 


Die Songs:
  • Scheiß auf deutsche Texte
  • Mein Sonnenschirm umspannt die Welt
  • In diesem Sinn
  • Aber andererseits
  • Mach mich vom Acker
  • Die Interessanten
  • Ihr wollt mich töten
  • Depressionen aus der Hölle
  • Stell die Verbindung her
  • Risikobiographie
  • Universal Tellerwäscher
  • Wahr ist, was wahr ist
  • Was hat dich bloß so ruiniert
Als Zugabe war noch "Widerschein" drin. Wie über den ganzen Tag wurde der Zeitplan erfreulich gut eingehalten.