Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Song: Pale Seas - Someday

Toller Song, ich freue mich auf das Album.

Montag, 30. Oktober 2017

Musik: Out Lines - Conflats
























Zwei starke schottische Stimmen vereint auf einem zu kurzen Album.

Glasgow ist vielleicht auf den ersten Blick nicht Schottlands "schönster" Ort, aber gute Musik hat die Stadt zweifellos zu bieten. So fanden sich James Graham von The Twilight Sad und die Singer/Songwriterin Kathryn Joseph zusammen. Diese hat mit ihrem Debüt "Bones You Have Thrown Me and Blood I've Spilled" im Jahr 2015 gleich den Scottish Album of the Year Award eingeheimst. Das Album hatte auch mein Gefallen gefunden. 

Verstärkt durch den Produzenten Marcus Mackay haben die beiden nun mit "Conflats" das Debüt der Band Out Lines veröffentlicht. Die Geschichten dazu lieferten Gespräche mit Künstlern des Glasgower Kunstprojekts "Platform". Daraus wurden Songs für eine Aufführung im Rahmen des "Outskirts Festivals" und nun gibt es diese Titel eben als gefühlvolles Album. Grahams Stimme sorgt für The Twilight Sad-Momente und den schottischen Flair. Josephs leicht gebrochene Stimme erinnert nicht selten und Joanna Newsom und ergänzt Grahams ideal, oder halt umgekehrt. Dezente aber treibende Percussions und Folk-Klänge bilden den angemessenen Rahmen. Mit 30 Minuten ist das Album recht kurz ausgefallen. Vor allem der Song "There is a saved place" aber auch "Buried guns" und "The left behind" machen mir Lust auf weitere Alben der Band. 

"There is a saved place":


"Buried guns":


"Conflats" klingt nach:

Sonntag, 29. Oktober 2017

Frankfurt Marathon 2017

Nur als Zuschauer, aber trotzdem stimmungsvoll. Während vor allem Richtung Norden Züge wegen des Sturms gestrichen wurden, konnten sich Teilnehmer und Zuschauer in Frankfurt idealer Wetterbedingungen erfreuen. 




Da bei herbstlichen Temperaturen die Wartezeit am Start überbrückt werden musste, sammelte sich eine beachtliche Menge an Kleidung im Startbereich. 


Der Höhepunkt war der Zieleinlauf in der Festhalle. Der Sieger war verdammt flott, daher ist er in der Bildmitte nur klein zu erkennen. 



Freitag, 27. Oktober 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: U2 - Ordinary love

Im brasilianischen TV machen U2 Promotion für das anstehende neue Album "Songs of experience"... indem sie den 2013er Song "Ordinary love" spielen. Ich hoffe die Herren unterschlagen ihre neuen Songs nicht aus gutem Grund. 



Ansonsten hat die Band mit auf Dächern gespielten Songs ja durchaus gute Erfahrungen gemacht.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Musik: Childrenn - International exit
























Vielseitiger Alternative-Rock aus Dänemark. 

Spätestens seit meines Besuchs eines D-A-D-Konzerts steht für mich Dänemark musikalisch vor allem im Zeichen härterer Bretter. Vor wenigen Jahren fanden sich Musiker mehr oder minder bekannter dänischer Bands zusammen und gründeten Childrenn. "International exit" ist das zweite Album der Band nach dem Debüt "Animale" aus dem letzten Jahr. Es bietet durchaus die erwartbaren Riffs, aber auch psychedelisch wabernde Tiefen und staubtrockenen Stoner Rock. Stellenweise fühlte ich mich gar an Dramatik im Stil von David Eugen Edwards / Wovenhand erinnert (vor allem während "Where's the door"). "Cool ache", "Royal fever" und "A new low" zeigen weitere Facetten der Band, die mit "International exit" ein vielseitiges Album vorlegen. 

"Where's the door":


"Royal fever":


"International exit" ist:

Dienstag, 24. Oktober 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: The War On Drugs - Nothing to find

Das neue Video zu "Nothing to find" ist eine gute Gelegenheit, an das tolle The War On Drugs-Album "A deeper understanding" zu erinnern: 

Montag, 23. Oktober 2017

Musik: Fink - Resurgam
























Viele Wege führen zum Blues. 

Fink wandelte musikalisch schon lange zwischen zwei Welten. Sozialisiert wurde er u. a. durch The Cure und The Smiths, Mitte der 90er Jahre widmete er sich erst einmal der elektronischen Musik. Seit 2006 ist er als Singer/Songwriter unterwegs, gerne verstärkt durch seine kleine Band. "Hard believer" vereinte die solide Singer/Songwriter-Basis mit elektronischen Einwürfen. Dem Konzept bleibt Fink auch auf dem von Flood produzierten Nachfolger "Resurgam" treu.

Ohne vordergründig nach Blues zu klingen bzw. auf viele typische Elemente des Genres verzichtend, erschafft Fink eine mal mehr und mal weniger subtile aber trotzdem allgegenwärtige knochentrockene Blues-Atmosphäre. Wie groß der Beitrag seiner Stimme ist lässt sich ermessen, wenn man sich die teilweise anstrengend langweiligen Instrumental-Tracks einiger Titel anhört. 

Starke Tracks wie der Titelsong, "Cracks appear", "The determined cut" und "Covering your tracks" täuschen leider nicht darüber hinweg, das "Resurgam" durchaus ein paar weitere Ideen vertragen hätte. 

"This isn't a mistake":


"Not everything was better in the past":


Fink auf Tour:
  • 26.10. Stuttgart
  • 12.11. Köln
  • 13.11. Frankfurt
  • 26.11. Bremen
  • 27.11. Hamburg
  • 28.11. Erlangen
  • 29.11. Leipzig
  • 01.12. Berlin
"Resurgam" ist:


Sonntag, 22. Oktober 2017

Buch: Asterix in Italien
























Etwas überhastet. 

Exakt zwei Jahre nach "Der Papyrus des Cäsar" und vier Jahre nach "Asterix bei den Pikten" erscheint das dritte Band seit dem "Reboot" der Reihe mit neuem Zeichner und Texter. Offensichtlich sind zwei Jahre den Zeitraum, den sich die Verantwortlichen für neue Abenteuer meiner Lieblings-Gallier gegeben haben. 

"Asterix bei den Pikten" war ein solider Einstieg, "Der Papyrus des Cäsar" bot eine recht überzeugende Story und viele Anspielungen auf aktuelle Themen. Meine Erwartungen an "Asterix in Italien" waren hoch.

In diesem Band wird ein Pferdewagenrennen durch Italien veranstaltet, um die Qualität der dortigen Straßen zu feiern bzw. über deren schlechten Zustand hinwegzutäuschen. Teilnehmen dürfen sowohl Bürger Roms als auch "Barbaren". Mit einem Rennen (siehe "Tour de France") und fremden Völkern (Goten, Germanen, diverse "Osteuropäer", Engländern, Portugiesen) wählten die Macher sichere Erfolgsfaktoren für Asterix-Geschichten. Auftritte prominenter Zeitgenossen (u. a. Anspielungen auf Michael Schumacher und Alain Prost) fehlen auch nicht. 

Es ist sicherlich zeitgemäß, dass die neuen Asterix-Erzählungen einem flotteren Erzähltempo folgen. Doch bei "Asterix in Italien" wird es m. E. sowohl bei der Schilderung der Etappen und Vorkommnisse des Rennens als auch bei der begrenzten Reichweite der zahlreichen Gags (die Pointe folgt häufig bereits im nächsten Bild) übertrieben. Etwas mehr Raum für die die Teilnehmer des Rennens uns ihre Eigenheiten hätte der Geschichte gut getan. So bleibt bei mir ein recht fader Beigeschmack und der Eindruck, als müsste die Asterix-Maschine verlässlich alle zwei Jahre neu befeuert werden und qualitative Aspekte gerieten dabei in den Hintergrund. In Erinnerung werden mir vor allem die lächerliche Maske des römischen Fahrers und die Lusitanier bleiben, die bereits zum Start des Rennens als heimliche Sieger feststanden. 

Deutsche Leser finden zahlreiche Anspielungen auf bekannte Stereotype. Die Macher Ferri und Conrad brüsteten sich damit, dass der Humor der Originalausgabe stellenweise kaum übersetzbar sei. Mir scheint Übersetzer Klaus Jöken hat einen tollen Job gemacht. 

Die Macher Conrad und Ferri

Samstag, 21. Oktober 2017

Doppelkuh

a) Innige Zuneigung?
b) Dicker Kopf vom Vorabend?
c) Belgischer Kreisel?


Freitag, 20. Oktober 2017

Welcome back: Fever Ray - To the moon and back

Auf ihrem Solo-Debüt klang Karin Dreijer Andersson aks Fever Ray recht düster. Musikalisch erinnert ihr Comeback-Song "To the moon and back" nun eher an die Dance-Titel ihrer Band The Knife. Dafür ist das Video wieder schön düster geraten:

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Musik: The Surfing Magazines - The surfing magazines
























Stellenweise so cool und trocken wie ein Tarantino-Film.

Für The Surfing Magazines haben sich Mitglieder von The Wave Pictures und Slow Club zusammengetan. Das gleichnamige Debüt der Londoner Band klingt so, als hätten sich Freunde zu einer Jam-Session im Keller verschanzt, nachdem sie einen Tarantino-Film geschaut hatten. 

Surf Rock ist mir meist zu "retro" und klischeebeladen. Doch bereits nach wenigen Titeln hatten mich The Surfing Magazines konditioniert und mit jedem Durchlauf konnte ich dem Album mehr abgewinnen. Lässig und trocken fühlte ich mich gut unterhalten, nicht selten an die Arctic Monkeys erinnert und wirklich auch merklich in meiner Stimmung beeinflusst. Ich stelle mich mir gerade mit Zigarette im Mundwinkel und Surfbrett unter dem Arm vor. Vielleicht müsste ich das Album über die Zuglautsprecher laufen lassen, damit die anderen Passagiere hier im ICE mir beides durchgehen lassen würden. Aber spätestens nach den Titeln "Peeping dom" (ich empfehle hier tatsächlich einen Instrumental-Titel), "New day", "Goose feather bed", "Lines and shadows" und "A fran escaped" hätten die Herren und die beiden Damen hier im Wagen sicherlich Verständnis für mein Benehmen.

Das Video zu "New day":


"Lines and shadows":

"The surfing magazines" ist:

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Spätsommer in Berlin

Üblicherweise wären der späte Oktober oder gar der November nicht meine bevorzugten Zeiträume für einen Besuch in Berlin. Doch diese Woche meinte das Wetter es gut mit mir.






Und dann war sogar noch ein Besuch bei einem meiner liebsten Schokoladen-Lieferanten drin.






Verraten und verkauft

Verständnislos blicke ich häufig auf Fußball-Fans die sich persönlich beleidigt fühlen, wenn "deren" Verein schlecht spielt. Die Verbundenheit zu dem jeweiligen Verein geht bekanntlich meist auf eine jugendliche Prägungsphase zurück. So war es auch bei mir und der Band, die nun so etwas macht. 

Seit heute kann ich die besagten Fußball-Fans besser verstehen. Ich habe noch einen Stapel T-Shirts der Band, so aus der Zeit ab 1991. Ich überlege, einen kleinen Stand am Kai einzurichten...  

Dienstag, 17. Oktober 2017

Musik: Kakkmaddafakka - Hus
























Souveräner Indiepoprock. 

Die norwegische Indiepop-Band mit dem einprägsamen Namen legt ihr fünftes Album vor. Weiterhin wehren sich die Herren mit freudigem Indiepop gegen die depressive Stimmung, die man Menschen ihrer Heimatstadt Bergen unterstellen muss. Mit ihrem vierten Album gehen Kakkmaddafakka noch einen Schritt weiter in ihrer Unabhängigkeit, indem sie das Album komplett alleine aufnahmen. Während auf "Six months is a long time" im Jahr 2013 noch die Indiepop-Klänge überwogen, schlich sich mit "KMF" im letzten Jahr ein größerer Indierock-Anteil ein. Dieser gewinnt auch auf "Hus" noch etwas mehr an Bedeutung. So liefern die Norweger ein nettes Indiepoprock-Album mit stellenwiese nachdenklichen Texten. Wirklich prägnante Momente fehlen leider, aber Titel wie "Holding me back", "Don Juan", "Summer melancholy" und "Hillside" fügen sich nahtlos in das recht homogene Gesamtwerk der Band ein. 

Das Cover zeigt das Haus, in welchem die zehn Songs entstanden. Und ein Albumtitel war auf diese Weise auch schnell gefunden.

Das Video zu "Neighbourhood":


"All I want to hear (ÅÅÅ)":


Kakkmaddafakka wird 2018 fleißig durch Deutschland touren:
  • 17.01. Marburg
  • 18.01. Stuttgart
  • 19.01. München
  • 30.01. Münster
  • 31.01. Hamburg
  • 01.02. Hannover
  • 02.02. Berlin
  • 03.02. Köln
  • 06.02. Erlangen
  • 07.02. Heidelberg
  • 09.02. Wiesbaden
  • 10.02. Leipzig
"Hus" ist:

Montag, 16. Oktober 2017

Schafe im Nebel

Da kommt der Herbst.


Sonntag, 15. Oktober 2017

Konzert: Sigur Rós in der Jahrhunderthalle in Frankfurt, 14.10.2017


Zwischen Uhrmacherwerkzeug und Dampfhammer.

Sigur Rós hatte ich bereits 2003 gesehen, damals konnte ich dem Konzert aber nicht viel abgewinnen. Damals kamen die von mir geliebten Ausbrüche der Band einfach zu kurz. Bei der aktuellen Tour zeigen sie die Urgewalt, welche die Isländer entfachen können. 


Zum Konzertbeginn gegen 20.30 Uhr hatte sich das bunt gemischte  und angenehme Publikum in der ausverkauften Jahrhunderthalle eingefunden, auf eine Vorgruppe wurde verzichtet. Sie hätte es bei dem Hauptakt und den Erwartungen an ihn auch schwer gehabt. 

Sigur Rós trat mit den beiden Gründungsmitgliedern Jón Þór „Jónsi“ Birgisson und Georg „Goggi“ Hólm sowie dem 1999 hinzugestoßenen Schlagzeuger Orri Páll Dýrason an. Der Beginn des Konzerts war noch recht zurückhaltend, die zunehmende Spannung ließ die Bühne aber irgendwann vergleichsweise klein erscheinen. 


Der Auftritt war aufgeteilt in zwei Sets, die durch eine ca. 25 minütige Umbaupause unterbrochen wurde. Diese Unterbrechung war der Stimmung etwas abträglich, aber vielleicht benötigen die Musiker nach ihrer Energieleistung (Jónsi gibt einfach alles und der Job des Schlagzeugers war auch ein Kraftakt) auch einfach etwas Zeit zum Durchatmen. 



Nach der Umbaupause spielten die drei Musiker "Óveður" hinter der im ersten Set begrenzenden LCD-Wand, die sich dann aber hob und den Blick auf die größere Bühne freigab. Die starke Auswahl der Titel des zweiten Sets benötigte auch diesen zusätzlichen Platz. 


Die Setlist bestand aus einer Mischung von Songs fast aller Alben, der Schwerpunkt lag mit vier Songs auf dem Album "()" (eben dem Album, welches die Band 2003 promotete). Die vier dargebotenen neuen Titel fügten sich nahtlos ins Set ein. 


Set 1

  • Á
  • Ekki Múkk
  • Glósóli
  • E-Bow
  • Dauðalagið
  • Fljótavík
  • Niður
  • Varða

Set 2

  • Óveður
  • Sæglópur
  • Ný Batterí
  • Vaka
  • Festival
  • Kveikur
  • Popplagið

Zugabe: Unnötig, mit Popplagið war alles gesagt. Auf Ansprachen wurde während des Konzert bis auf zwei kurze Statements auf isländisch verzichtet. Dafür wirkten die drei Musiker nach dem Set aber sehr gelöst und sympathisch. 


Die Dynamik der Band zwischen fragilen Elementen und den bereits erwähnten Ausbrüchen ist in dieser Spannbreite einzigartig. Gestern überzeugte mich Sigur Rós auch als Live-Band. Ich erlebte ein tolles Konzert, welches mir Lust machte, mir mal wieder das Gesamtwerk anzuhören. 


Samstag, 14. Oktober 2017

Musik: William Patrick Corgan - Ogilala
























Eine Wiederauferstehung.

Dem Erfolg der 90er Jahre der Smashing Pumpkins lief Billy Corgan schon lange hinterher. Seine musikalischen Aktivitäten (ich spreche nicht einmal von seinem Wrestling-Kram) wirkten irgendwann so ziellos und verzweifelt, dass ich mir schon Sorgen um eines der Idole meiner musikalischen Prägungsphase machte. 


Doch dann wurde aus dem Smashing Pumpkins-Mastermind Billy Corgan der Solo-Musiker William Patrick Corgan. Unter den Fittichen von Rick Rubin entstand ein reduziertes Singer/Songwriter-Album. Was bei Johnny Cash klappte, scheint auch für Corgan ein Jungbrunnen zu sein. Zu Smashing Pumpkins-Zeiten waren die ruhigen Titel für mich eher Zeiträume zum Luft holen zwischen den Gitarren-getriebenen Hits. 


Auf Corgans zweitem Soloalbum "Ogilala" gibt es nur ruhige Songs, aber viele wissen mich zu überzeugen, allen voran "Aeronaut" aber auch "The Spaniards", "The long goodbye" und "Archer". Ein paar Streicher, ein Piano, Corgans Stimme und einige schöne Melodien... mehr braucht es nicht, um mich wieder an ihn und seine musikalischen Fähigkeiten glauben zu lassen. 

Das Album ist auch der Soundtrack zum Stummfilm "Pillbox", der im Oktober in vier Kinos präsentiert wurde. 

Das Video zu "The Spaniards":


"Aeronaut":





"Ogilala" klingt nach:

Freitag, 13. Oktober 2017

Musik: St. Vincent - Masseduction
























Aus Indierock wird Electropop. 

Es ist schwer nachvollziehbar, dass Annie Clark als St. Vincent trotz ihrer Wandlungsfähigkeit und Vielseitigkeit bereits seit zehn Jahren Alben veröffentlicht, ohne den großen Durchbruch zu schaffen. Vielleicht macht sie es ihren und potentiellen Fans einfach schwer, sie ins Herz zu schließen. Und wenn man das Cover ihres fünften Albums "Masseduction" betrachtet könnte man den Eindruck gewinnen, als sei ihr die tatsächliche Zuneigung ihrer Zuhörer auch gar nicht so wichtig. Es wird sich zeigen, ob sich ihre neuen Songs zur Verführung von Massen eignen. 

Nach ihren drei ersten Alben hatte ich St. Vincent als passable Indierockerin eingeordnet. Doch dann kam mit "Love this giant" die Zusammenarbeit mit David Byrne. Die beiden teilten offensichtlich nicht nur die gleiche Heimatstadt New York sondern hatten auch merklich Spaß daran, gemeinsam tolle Songs zu erschaffen. Diese Zusammenarbeit wirkte sich auch auf das nachfolgende Solo-Werk "St. Vincent" aus. Ihre beeindruckenden Fähigkeiten an der Gitarre rückte Anne Clark in den Hintergrund. Gekonnt und auch damals schon mit einem ironischen Unterton jonglierte sie mit neuen musikalischen Einflüssen. 

Mit "Masseduction" treibt sie diese Entwicklung nun auf die Spitze: Das ehemalige Polyphonic Spree-Mitglied zerhäckselt alle Erwartungen und fügt sie mit Electro und Pop wieder zusammen. Sie sammelte während ihrer letzten Tour und über eine lange Zeit Text- und Soundschnipsel als Ideen und entsprechend Collagen-artig ist das Album geworden. Einige Gäste (z. B. Kamasi Washington  am Sax) sorgten für zusätzliche Facetten.

So beeindruckend ich die Idee und Teile der Umsetzung finde, mit fehlt auf "Masseduction" ein roter Faden und echte Hits. "Sugarboy", "Los Ageless" und "Smoking section" gefallen mir trotzdem und wenn mich auch das Album nicht umhaut, mag ich St. Vincent nun noch lieber.

"St. Vincent" wurde mit einem Grammy in der Kategorie "Best Alternative Music Album" ausgezeichnet. "Alternative" oder "Indie" ist Annie Clark weiterhin, aber in einer sehr poppigen Variante. 

Das bunte Video zu "Los ageless":

"New York":

Am 26.10. wird St. Vincent in Berlin auftreten. Den Gig im Rahmen ihrer letzten Tour fand ich sehr erfrischend. Ich kann mir vorstellen, dass sie das Konzept des aktuellen Albums bei ihren anstehenden Auftritten eindrucksvoll in Szene setzt.  

"Masseduction" ist:

Bahndeutsch

"Die Streckensperrung ist weiterhin in Betrieb."

Fallen den Sprechern diese Formulierungen spontan ein oder gibt es da einen Generator, der wahllos Worte mischt?

Bbit

"Best burgers in town" ist wirklich ausgeluscht.

Aber in voller Überzeugung: Die besten Burger Ulms gibt es aktuell bei Ronnie Biggs.



Und als Ergänzung dazu: Sobald diese Herren beim Karaoke im Irish Pub das Mikro ergreifen... die Burger waren toll.



Und nein, entgegen aller Erwartungen sang er nicht "Mambo  # 5".

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Musik: My Sad Captains - Sun bridge

























Schmeichelnde Melodien und Stimmungen. 

Wegen der musikalischen Leisetreterei als gemeinsamen Nenner könnte man eine Verbindung zwischen My Sad Captains und dem gleichnamigen Elbow-Song vermuten. Da die Band aus London aber ca. zehn Jahre vor Veröffentlichung des Songs gegründet wurde, ist zumindest aus dieser Richtung eine Inspiration ausgeschlossen. Zumal ich My Sad Captains nicht unterstellen würde, dass sie mit ihrer Musik weit in die Zukunft blicken.

Statt dessen mischen sie auf ihrem vierten Lonplayer mit Synthpop, Slowcore/Dreampop und Indierock bewährte Elemente in annähernd gleichen Teilen. Das Ergebnis klingt entsprechend ausgewogen aber es erhebt keinen Anspruch auf Innovation. Der Titel des Song "Destination memory" beschreibt treffend die Mission der Band: Poppige Melodien und sphärische Momente voller Wohlgefühl sollen sich in das Gedächtnis und bestimmt auch in das Herz der Hörer einbrennen.

Mit den Songs "Everything at the end of everything", "Destination memory", "Don't listen to your heart", "None in a Million" und "Relive" gelingt das der Band zumindest ansatzweise bei mir. Über die gesamte Spieldauer ist "Sun bridge" zwar etwas harmlos geraten, aber bei jedem Durchgang entdeckte ich neue schmeichelnde Facetten. Außerdem ist das Cover-Motiv toll und eine passende Darstellung der musikalischen Stimmung des Albums.

Bei der Produktion unterstützte Jeff Zeigler, dessen Erfahrungen mit Kurt Vile, The War On Drugs und A Sunny Day In Glasgow durchscheinen.

Das Video zu "Everything at the end of everything":


"Sun bridge" ist: